Historischer Verein Ingolstadt
Kurt Scheuerer
Die Schutterkapelle

 
Foto: Kurt Scheuerer
Die Schutterkapelle von Westen, über der Schutter wohl die Stadtmühle. In der Stadtmauer (rechts oben) das Schuttertor. Kopie des Großen Sandtnermodells von 1572 im Stadtmuseum Ingolstadt.
 
Nach der Judenaustreibung von 1384 aus Ingolstadt übereignete Herzog Stephan III. 1397 das Areal des Judenghettos der Stadt, um dort eine Marienkapelle zu einer Kanzleipfründe nebst Benefiziatenhaus für einen geistlichen Kanzleischreiber einzurichten. (Straub, S. 11-16)
 

 
Foto: Kurt Scheuerer Foto: Kurt Scheuerer Foto: Kurt Scheuerer
Die Schutterkapelle (im großen Modell) von Westen, Süden und Osten. Der Dreiseitchor, das Dach und die hohen Fenster entsprechen dem Standard gotischer Kirchenbauten.
 
Foto: Kurt Scheuerer Foto: Kurt Scheuerer
Kleines Sandtnermodell von 1571 (links) und Kopie des großen Modells von 1572 (rechts), beide im Stadtmuseum Ingolstadt. Ansicht von Nordosten auf den Chor. Der Pultdach-Anbau an der Nordseite zwischen Chor und Querschiff ist die Sakristei. Diese ist nur auf dem großen Modell dargestellt.

Erst 1475 stiftete Herzog Ludwig d. Reiche dorthin eine Messe und offenbar ein Benefizium. Hierzu könnte der dreiseitige Ostchor angefügt worden sein.
Dr. Hofmann nimmt an, dass es sich schon um ein zweites Benefizium und den Anbau der beiden Seitenkapellen handelte (Hofmann, S. 457 und mündlich).
Im Zuge dieser Ausstattung, auch mit reichen Ablässen, dürfte die aus dieser Zeit stammende Marienfigur in die Kapellkirche gekommen sein, die, mit einer passenden Legende ausgestattet, im 17./18. Jahrhundert die Wallfahrt beflügelte und heute als "Schuttermuttergottes" in der Franziskanerkirche verehrt wird (Straub, S. 31).
 

 
Steidlin, 1740. Foto: Kurt Scheuerer
 
1606 erhielten die Augustiner-Eremiten Kirche und Benefiziatenhaus. 1665 wurde das Kloster (r.) als einfache Vierflügelanlage errichtet. 1683 erfolgte die Erhebung zum Konvent. (Stich von J. M. Steidlin, 1740)
Der große Zulauf zur Schuttermutter ermöglichte den Bau der Augustinerkirche von J. M. Fischer nördlich der gotischen Schutterkapelle. Erst nach der Weihe der neuen Kirche 1740 wurde die alte Kapelle abgerissen.
 

 
Literatur:
  • Straub, Theodor, Ingolstädter Gesichter, 750 Jahre Juden in Ingolstadt, 2000.
  • Hofmann, Siegfried, Geschichte der Stadt Ingolstadt, Bd. 1, 2000, S. 455-457.
  • Hemmeter, Karlheinz
    in: Denkmäler in Bayern, Stadt Ingolstadt Bd. 1, 2002, S. CLXXVI-IX.


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